Schulprofil

Struktur des Förderzentrums

Die Edith-Stein-Schule (Förderzentrum) bietet sehbeeinträchtigten und blinden Schülerinnen und Schülern aus Südbayern (Niederbayern, Oberbayern und Schwaben)

Gemeinsamer Unterricht in kleinen Klassen

Wir begleiten sehbeeinträchtigte und blinde Kinder und Jugendliche auf dem Weg zu Bildung und Selbstständigkeit.

Maximal 13 sehbeeinträchtige und blinde Schülerinnen und Schülern werden gemeinsam in einer Klasse unterrichtet. Zu einem gesetzlich geregelten Prozentsatz können in Ausnahmefällen auch Kinder und Jugendliche ohne sonderpädagogischen Förderbedarf in das Förderzentrum aufgenommen werden.

Individuelle Förderung je nach Begabungen und Fähigkeiten

Grundlage der schulischen Förderung bilden die jeweils allgemein gültigen Bayerischen Lehrpläne für die Grund- und Mittelschule im Förderschwerpunkt Sehen.

In enger Zusammenarbeit mit allen Fachbereichen sowie mit den Eltern werden die individuellen Begabungen und Fähigkeiten der Schülerinnen und Schüler gefördert und bei Schwierigkeiten adäquate Hilfen eingeleitet.

Älterer Mann und junger Mann stehen an  Werkbank. Junger Mann hat Fräse in der Hand.

Zahlreiche Kooperationen

Die Edith-Stein-Schule als privates Förderzentrum kooperiert sowohl mit weiterführenden Spezialschulen im Förderschwerpunkt Sehen (bbs Nürnberg, Nikolauspflege Stuttgart) als auch mit allgemeinen Schulen.

Gemeinschaft, Leistung, Selbstständigkeit und Freude sind die leitenden Ziele unserer pädagogischen Arbeit. Unsere Leitsätze und das Schulprogramm bilden die Grundlagen unseres pädagogischen Handelns.

Gelebte Vielfalt

Die Schülerinnen und Schüler im Förderzentrum haben neben einer Sehbeeinträchtigung häufig noch weitere Einschränkungen, z. B.

  • im Hören,
  • in der körperlich-motorischen Entwicklung,
  • im Lernen,
  • in der Sprache,
  • im Emotional- und Sozialverhalten.

Daher findet eine enge Zusammenarbeit mit den Mobilen Diensten der jeweiligen Förderschwerpunkte statt.

Vereinzelt werden auch Schülerinnen und Schüler ohne oder mit einem anderen sonderpädagogischen Förderbedarf beschult.

Heterogenität als Chance

Diese enorme Heterogenität der Schülerschaft im Förderzentrum stellt eine große Herausforderung dar. Sie bietet aber den Schülerinnen und Schülern auch die Chance zu lernen, die jeweilige Besonder- und Verschiedenheit des anderen zu akzeptieren und sie für selbstverständlich zu halten. Gleichzeitig üben sie Toleranz und Rücksichtnahme gegenüber den (ähnlichen oder anderen) Bedürfnissen ihrer Kameradinnen und Kameraden ein. Und sie lernen, wenn nötig, um Hilfe zu bitten und diese auch anzunehmen.

Wir verstehen uns.

Für Kinder und Jugendliche mit Sprachschwierigkeiten – unter anderem auch Flüchtlinge – gibt es bei uns ebenfalls Unterstützungsangebote.

Schulvorbereitende Einrichtung (SVE)

Das Bindeglied zwischen mobiler Frühförderung am Wohnort und Schule ist unsere SVE. Die Gruppe ist in einem heimeligen Holzpavillon untergebracht. Sie wird von einer Heilpädagogin – unterstützt durch eine weitere Heilpädagogin sowie eine Kinderpflegerin – geleitet.

Die SVE verfügt über einen großen Gruppenraum für Gruppenaktivitäten und Einzelfördermaßnahmen sowie über einen Raum zur Differenzierung, einen Dunkelraum zur gezielten Sehrestschulung, einen großen Vorraum für Gemeinschaftsaktionen bzw. Feste und einen Garten, der nur von den Kindern der SVE sowie der Kinderkrippe genützt wird.

Interdisziplinäre Arbeit

Die Arbeit in der SVE ist interdisziplinär, d.h. die Fördermaßnahmen werden durch eine Physiotherapeutin, eine Musiktherapeutin und z. T. Sonderschullehrkräfte ergänzt. Ebenso halten wir Kontakt zur Frühförderung und zur Schule.

Sehbeeinträchtigte und blinde Kinder benötigen frühzeitige, gezielte und kontinuierliche Förderung, um später einen möglichst guten Start ins Schulleben zu haben. Deshalb nehmen wir Kinder bereits ab drei Jahren auf und begleiten sie bis zum Schuleintritt.

Weitere Informationen zur Arbeit in der SVE finden sich in unserem eigenen Schulprogramm.

Grundschule

Der Unterricht in der fünfjährigen Grundschule erfolgt nach dem LehrplanPLUS Förderschule/Förderschwerpunkt Sehen, der auf dem LehrplanPLUS-Grundschule basiert.

Die Verlängerung der Grundschulzeit von 4 auf 5 Jahre trägt dem Bedürfnis sehbeeinträchtigter und blinder Schülerinnen und Schüler nach zusätzlicher und unverzichtbarer Förderung und damit einem erhöhten Zeitbedarf Rechnung.

Sehbeeinträchtigte Schülerinnen und Schüler mit zusätzlichem Förderbedarf erhalten in den Förderklassen bzw. in speziellen Förderstunden heilpädagogische Unterstützung.

Unterrichtsschwerpunkte in der Grundschule

  • Entwicklungs- und Wahrnehmungsförderung auf allen Ebenen
  • Förderung der Begriffsbildung zur Festigung der Inhalte und der gezielten Förderung der Sprachkompetenz sowie der Kommunikationsfähigkeit
    • Originale Begegnung, realitätsnahe Modelle, Abbildungen
    • Deutliche Sprachvorbilder
    • Ständiges Verbalisieren der Umweltgegebenheiten
  • Berücksichtigung der eingeschränkten oder fehlenden Sehfähigkeit beim Schriftspracherwerb
    • Vergrößertes Schriftgut
    • Erlernen der Brailleschrift (Interne Verlinkung: 4.6 Fachbeiträge) (sofern das Sehvermögen für einen sicheren und zügigen Zugang zu Texten nicht mehr ausreicht)
    • Erlernen des 10-Finger-Tastschreibens (Interne Verlinkung: 4.6 Fachbeiträge) ab der 4. Jahrgangsstufe
  • Erprobung und Anwendung optischer und elektronischer Hilfsmittel
  • Förderung von Orientierung, Mobilität und Lebenspraktischen Fähigkeiten
    • Sicherung der Raum-Lage-Wahrnehmung und der zugehörigen Begrifflichkeiten
    • Orientierung im Klassenzimmer (z. B. gleichbleibende Sitzordnung), Schulhaus, Schulgelände
    • Einsatz von Modellen/Karten/Plänen von Klassenzimmer und Schule
  • Erziehung zu Medienkompetenz (Interne Verlinkung mit Sprungmarke: 2.3.4 Unterricht; Absatz: Sozial- und Medienkompetenz)
    • Zuhörförderung
    • Einsatz von Tablets im Unterricht
    • Einsatz von Lernprogrammen am Computer
    • Hinführung zum sicheren Umgang mit Laptop und Braillezeile
  • Förderung der musischen Entwicklung durch zusätzliche Angebote
  • Individualisierung durch offene Unterrichtsformen (Projektunterricht, Stationenlernen, Lerntheke, Freiarbeit, Wochenplanarbeit)
  • Soziales Lernen (Interne Verlinkung mit Sprungmarke: 2.3.4 Unterricht; Absatz: Sozial- und Medienkompetenz) und Gewaltprävention
  • Hinführung zu sinnvoller Freizeitgestaltung und sportlicher Betätigung
  • Thematische Unterrichtsgänge, Schullandheimaufenthalte
  • Lesenächte

Mittelschule

Die Schülerinnen und Schüler werden nach dem LehrplanPLUS-Förderschulen / Förderschwerpunkt Sehen unterrichtet, der auf dem LehrplanPLUS-Mittelschule basiert.

Das Ziel ist der erfolgreiche Abschluss der Mittelschule bzw. der Qualifizierende Abschluss der Mittelschule (QA).

Unterrichtsschwerpunkte in der Mittelschule

  • Klassenlehrerprinzip
  • Erziehung zu Selbstständigkeit und Selbstverantwortlichkeit
  • Förderung der sozialen Kompetenz
  • Stärkung des Selbstwertgefühls, der Teamfähigkeit und des Selbstbewusstseins
  • Förderung und Festigung der Sprachkompetenz sowie der Kommunikationsfähigkeit
    • Originale Begegnung, realitätsnahe Modelle, Abbildungen
    • Deutliche Sprachvorbilder
    • Ständiges Verbalisieren der Umweltgegebenheiten
  • Individualisierung durch offenere Unterrichtsformen (Projektunterricht, Lerntheke, Wochenplanarbeit)
  • Computer (PC, Tablet, Notebook) als Hilfs- und Arbeitsmittel
    • Fortführung des 10-Finger-Tastschreibens in den Jahrgangsstufen 5 und 6
    • Berufsorientierender Zweig „Wirtschaft“ ab Jahrgangsstufe 7, mit einer zusätzlichen Vertiefungsstunde für blinde Schülerinnen und Schüler
    • Wirtschaft als verpflichtendes Wahlpflichtfach in der Jahrgangsstufe 8
    • Einsatz von Laptops und Laptops mit Braillezeile verstärkt auch im Unterricht ab Jahrgangsstufe 7
  • Förderung der Medienkompetenz (Medienführerschein Bayern)
  • Förderung der musischen Entwicklung durch zusätzliche Angebote
  • Förderung von Orientierung, Mobilität und Lebenspraktischen Fähigkeiten, besonders im Hinblick auf den späteren Berufseinstieg

Miteinander lernen und leben

  • Förderung der Klassengemeinschaft
  • Pausenbegleiter, Lesepaten für jüngere Schülerinnen und Schüler
  • Schullandheimaufenthalte, Skilager
  • Kooperation mit anderen Schulen, insbesondere auch mit weiterführenden Spezialschulen im Förderschwerpunkt Sehen (bbs Nürnberg, Nikolauspflege Stuttgart)

Klassen zur Lernförderung

Sofern es die Schülerzahlen ermöglichen, werden für Schülerinnen und Schüler mit zusätzlichem Förderbedarf im Lernen eigene Klassen gebildet. Diese sind in der Regel jahrgangsübergreifend.

Lehrplan

Grundlage für den Unterricht ist der Rahmenlehrplan Lernen (ab der 3. Jgst.), der in der Umsetzung für sehbeeinträchtigte und blinde Schülerinnen und Schüler jeweils entsprechend adaptiert wird. Der differenzierte Unterricht baut auf vorhandenen Stärken auf und berücksichtigt den individuellen sonderpädagogischen Förderbedarf der einzelnen Schülerin bzw. des einzelnen Schülers.

Leistungsbewertung

In den L-Klassen werden keine Noten erteilt, sondern die individuell erreichten Kompetenzen beschrieben. Auf Antrag der Eltern können in den Jahrgangsstufen 3 und 4 sowie 8 und 9 Ziffernnoten gegeben werden. Grundlage für die Bewertung ist dann allerdings der Lehrplan für die Grundschule bzw. das sogenannte Kompetenzraster für die 8. und 9. Jahrgangsstufe, das sich verstärkt an den Inhalten der Mittelschule orientiert.

Durchlässigkeit

Bei guten schulischen Leistungen besteht grundsätzlich die Möglichkeit der Rückführung in die entsprechende Regelklasse der Grund- oder Mittelschule auf der Basis von

  • intensiven Beratungsgesprächen mit den Eltern und den Schülerinnen und Schülern selbst,
  • einer mindestens vierwöchigen Probezeit in der entsprechenden Regelklasse (unter Einbezug von Leistungskontrollen),
  • genauer Analyse des Lern-, Leistungs- und Arbeitsverhaltens in der Probephase.

Schwerpunkte in den Jahrgangsstufen 3 bis 6

  • Individuelleres Vorgehen in der Unterrichtsplanung und -gestaltung
  • Berücksichtigung des jeweiligen Lern- und Arbeitstempos sowie ggf. weiterer Bedürfnisse
  • Arbeit mit individuellen Wochenarbeitsplänen für die Schülerinnen und Schüler
  • In hohem Maße materialgeleitetes Lernen
  • Ab Jgst. 5 verstärkt Unterricht in praktischen Fächern, z. B. Hauswirtschaft, Werken/Textiles Gestalten, Kunsterziehung
  • Stärkung der Selbständigkeit und Selbstverantwortung
  • Erstes Kennenlernen und Verstehen von Arbeitsprozessen

Berufs- und arbeitsweltbezogene Orientierung in den Jahrgangsstufen 7-9

  • Förderung der sozialen Kompetenz sowie der „Schlüsselqualifikationen“
  • Breites Angebot im Berufswahlvorbereitenden Förderunterricht „Berufs- und Lebensorientierung“ (BLO) mit Angeboten in den Bereichen
    • Holz- und Metallbearbeitung (in der schuleigenen Werkstatt)
    • Farbgestaltung
    • Gartenarbeit
    • Haustechnik
    • Hauswirtschaft
  • Praktika zur Erprobung der eigenen Interessen, Fähigkeiten und Fertigkeiten in unterschiedlichen Betrieben und Rehabilitationseinrichtungen mit spezifischen Förderkonzepten
  • Schülerinnen und Schüler der 9. Klasse haben bei entsprechenden Leistungen die Möglichkeit, durch Ablegen einer Abschlussprüfung verschiedene Formen eines schulischen Abschlusses zu erlangen:
    • Erfolgreicher Abschluss im Bildungsgang Lernen (Prüfungsinhalte orientieren sich an den Inhalten des Rahmenlehrplans Lernen)
    • Erfolgreicher Abschluss der Mittelschule (Prüfungsinhalte orientieren sich am Kompetenzraster der 9. Jahrgangsstufe)
    • Individueller Bildungsabschluss (ohne Prüfung)